dmexco 2014: Fazit aus Sicht eines Unternehmers

Vom 10. bis 11. September fand auf dem Kölner Messegelände die dmexco 2014 statt. Das Motto der diesjährigen Messe lautete: „Entering new Dimensions“. Und es ist wahr. Digital betrachtet, stehen wir vor einer neuen Zeitrechnung. Strategie und Massnahmen bei der Kundengewinnung, -betreuung und -bindung stehen mittelfristig hinsichtlich Mediaeinsatz und Kommunikationseffizienz auf dem Prüfstand.

Denn viele aktuelle Entwicklungen weisen darauf hin, dass sowohl unsere gesamte Umgebung als auch unser Tagesablauf in naher Zukunft digital sein wird. Für Unternehmen und das Relationship Marketing eine immense Herausforderung. Daher war ich sehr gespannt, welche Ansätze und Antworten die Branche auf dieses Herausforderungen hat. Wurde die Messe ihrem diesjährigen Motto gerecht?

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Riesiges Programm-Angebot erschwert den Überblick

Ich habe mich bewusst entschlossen, erst am späten Vormittag des ersten Tages die dmexco zu besuchen. Den hohen Andrang am Morgen wollte ich umgehen. Und die für mich interessanten Vorträge standen erst am Nachmittag an.

1. Fazit: Nicht nur in der Fläche wuchs die Messe. Auch das Programm nahm an Umfang zu. 70 Speaker und Referenten sorgten für 200 Stunden Programm. Angesichts meiner begrenzten Zeit blieb mir generell nur der Fernblick auf das (völlig überlaufene) Konferenzprogramm. Konzentriert habe ich mich auf  sieben Vorträge rund um die Themen Kunden-Dialog, Markenführung, Social Media Monitoring, Content Marketing, Digitale Nutzertrends sowie Cross-Media.

Social Media ohne neue Impulse

Ob Social Media oder sonstiger digitaler Dialog: Beim Monitoring wird der Datenschutz nach Snowden zu einem wichtigen (Marketing-)Argument für deutsche Anbieter. Wichtig für die Werbetreibenden: Die Server sollten möglichst in der EU oder besser noch in Deutschland stehen. Bei der Analyse von Social Media-Beiträgen sind Auswertungen und Visualisierungen des aktuellen Social Buzz in Echtzeit gerade im Brand- und Marketingumfeld weiter spannend. Das Thema “digitales Monitoring” professionalisiert sich somit weiter.

2. Fazit: Wirklich neue Trends sind im Social Media darüber hinaus nicht erkennbar.

CRM auf der dmexco so gut wie kein Thema

CRM, 360-Grad Kundensicht, 1:1-Dialog oder Digital Branding sind in den Unternehmen wichtige Themen. Es ist für mich um so erstaunlicher, dass auf diesem Gebiet keine neuen digitalen Entwicklungen zu erkennen sind. Weder strategisch noch pragmatisch. Die Anwesenheit der Marketingchefs grosser Konsumgüterunternehmen (z.B. Nestlè) zeigt, dass diese sich mit der Herausforderung sehr beschäftigen. Vor allem stellen sie sich die Frage, wie Digitale Medien einzusetzen sind, um den Absatz ihrer Produkte zu pushen und mit Kunden in echten Dialog zu kommen.

3. Fazit: Die Verknüpfung zum Relationship Marketing war de facto nicht vorhanden. Zukunftsorientierte Lösungsansätze waren Mangelware. Für das operative Geschäft die richtigen Schlüsse zu ziehen, bleibt für Unternehmensverantwortliche weiterhin schwierig.

Als Unternehmer fehl am Platz
Die dmexco ist und bleibt eine Messe für die Branche – für Tool-Anbieter und Analysten, Vermarkter und Publisher. Der aktive Austausch mit Marketer und Vertriebler aus den Unternehmen hat gefehlt. Sie sind es, die aus Marketing mehr machen müssen als Tools und Zahlen.
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Verantwortliche aus mittelständischen Unternehmen werden sich auf dieser Messe etwas verloren gefühlt haben, da die wirklich wichtigen Fragen leider nicht oder unzulänglich beantwortet wurden. Zum Beispiel: Wie gehe ich als Unternehmen mit den gesammelten Daten um? Wie habe ich mich als Unternehmen in diesem digitalen Umfeld aufzustellen? Was bedeutet das für die Kundengewinnung und –bindung? Wo sind die Hebel für erfolgreiche und praktikable Umsetzungen?

4. Fazit: Die dmexco bietet den Unternehmen derzeit keine geeignete Plattform. Manfred Kluge (Omnicom) etwa fragte bei seinem Vortrag „Map the Future“ ins Publikum, wie viele Kunden anwesend seien. Angesichts der wenigen sichtbaren Hände forderte er von BVDW-Chef Matthias Ehrlich: „Daran müssen wir arbeiten“. Recht hat er!